In diesem und den nächsten Artikeln setze ich mich mit PowerPoint, den üblichen PowerPoint-Gestaltungen und möglichen neuen Präsentationsrichtlinien auseinander. Denn in den letzten Jahren hat sich ein großes Dilemma bei der Erstellung von PowerPoint-Präsentationen entwickelt, und das mit Sicherheit bei sehr vielen unbewusst.
Ich gebe zu, dass ich ebenfalls nach den üblichen PowerPoint-Standards Präsentationen erstellt habe, bis mir auffiel, dass sich in unseren Köpfen eine Gestaltungs- und Auffassungsweise einzementiert hat, die es gilt, mal aufzubrechen.
Wer oft Kongresse, Vorträge oder Seminare besucht, wird vielleicht wissen, wovon ich rede. Denn der Ablauf ist fast immer wieder derselbe. Ein/e Redner/in steht vor den Zuhörenden, trägt seinen/ihren Vortrag vor und lässt zur gleichen Zeit eine Präsentation mithilfe eines Beamers ablaufen. An dieser Konstellation ist an sich ja noch nichts Schlechtes vorzubringen.
Aber meistens sehen PowerPoint-Präsentationen doch so aus:
1. Zu viele Fachinformationen:
Die Folien ist vollgestopft mit Informationen, die die Zuhörer gar nicht erfassen können. Oft wird mit Fachbegriffen nur so um sich geworfen, dabei ist das Publikum in dem vorgebrachten Themengebiet mehr oder weniger ein Laie.
2. Zuhörer werden durch Präsentation überfordert:
Die Zuhörer sind hin- und hergerissen zwischen dem Redner und der vorgeführten PowerPoint-Präsentation, weil die Folien mit Aufzählungszeichen (oder Bullets) überfüllt sind und man in dem Bemühen, den Folieninhalt zu erfassen, dem Redner nicht folgen kann oder sogar beides nicht richtig mitbekommt – den Vortrag und die Präsentation.
3. Unkreative Präsentationsgestaltung:
Der Vortragende macht sich im Vorfeld zu wenig Gedanken über das optimale Transportieren des Vortragsthemas an die Zuhörer. Da wird dann schnell und routinemäßig eine Präsentation zusammengestellt, ohne weiter zu überlegen, ob das Thema in dieser Form auch interessant genug vorgestellt wird und die Zuhörer auch gebannt die Vorführung verfolgen werden.
4. Vortragender lässt sich in Hintergrund drängen:
Häufig überlagert die Präsentation den Vortrag in der Bedeutung. Dabei sollte aber immer der Vortrag und der Vortragende im Mittelpunkt stehen, die Präsentation nur als visuell unterstützendes Beiwerk fungieren. Im Grunde genommen könnte bei den meisten „klassischen“ PowerPoint-Vorführungen der/ Redner/in zuhause bleiben und die Folien ohne Kommentar aus dem Off – denn dazu verkommen die meisten Vorträge – abgespielt werden.
Dabei geht es auch anders. Ich habe in den vergangenen Wochen das einprägsame Buch „Zen oder die Kunst der Präsentation“ von Garr Reynolds gelesen, einem bekannten Präsentationsdesigner und Kommunikationsprofi, der ebenfalls diese oben genannten PowerPoint-Sünden bemängelt und als Beseitigung dieses Dilemmas neue und auch überraschende Ansichten vorbringt, wie eine perfekte PowerPoint-Vorführung auszusehen hat.
Auf diese Ansichten will ich näher eingehen. Reynolds überträgt in seinem Gestaltungsansatz für PowerPoint-Folien die Prinzipien der japanischen Kunst auf die Gestaltung von Folien.
Aus seiner Sicht sollten PowerPoint-Folien nach den folgenden Richtlinien erstellt werden:
- Schlichtheit: Reduzierung auf Kernaussagen
- Glaubwürdigkeit: Veranschaulichung durch Beispiele
- Überraschungseffekt: Weckung von Neugierde beim Zuhörer durch das Aufzeigen neuer Zusammenhänge
- Einbringen von Emotionen: Gefühle wecken durch entsprechende Bilder
- Persönliches: Schilderung eigener Erlebnisse, Erzählen von Geschichten
- Hochwertiges Design
Um all diese Punkte gekonnt in eine Präsentation einzubringen, ist eine umfassende und viele Stunden dauernde Vorplanung oder Vorarbeit nötig. Denn da jeder Vortrag anders und individuell ist, heißt es damit auch Abschied nehmen von standardisierten Vorlagen, auf denen sich schon die wesentlichen Elemente einer üblichen PowerPoint-Präsentation befinden.
Im nächsten Artikel werde ich dann auf die Vorbereitung einer Präsentation, die dem Zen-Gestaltungsansatz von Garr Reynolds folgt, eingehen.
(Bildquelle Artikelanfang: © jeff Metzger #1034505/Fotolia.com)

